Heute vor 40 Jahren erlebte die Klimaforschung ihren Durchbruch (es wurde ein bisschen getrickst)
Die Aufwertung, ein Menschheitsproblem lösen zu sollen, mobilisierte Wissenschaftler
Eine Woche, vom 9. bis zum 15. Oktober 1985, diskutierten 89 Wissenschaftler im österreichischen Villach - die Stimmung war euphorisch, eine Teilnehmerin sprach vom “Wow-Effekt”. Die Tagung brachte der Klimaforschung ihren Durchbruch, auch wenn ein bisschen getrickst wurde.
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Vorab: 5 Klima-Fundstücke
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Hamburg hat in einer Volksabstimmung mit geringer Wahlbeteiligung dafür gestimmt, bereits 2040 klimaneutral zu werden. Eine Pointe dieser an Pointen reichen Geschichte: Ausgerechnet der “Mieterverein” war ein lautstarker Befürworter des Klima-Volksentscheids. Die gewonnene Abstimmung wird nun zweifellos zu deutlich steigenden Mieten führen, und so wirbt der Mieterverein seit dem Wahlsieg: „Die Lage wird schwierig, werden Sie bei uns Mitglied.“
Dieser kurze Rede-Ausschnitt von 2021 ist interessant. Er zeigt, wie ich finde, drei Charakteristika der Energiewende-Bewegung:
a) Manichäismus (gemeinsam gegen “das Böse”),
b) Illusionismus/Hybris (”Grundlast ist von gestern”, “neues Energiesystem ohne Risiken”, “spannende Zukunft”, “angebotsorientiert”)
c) Ziel ist Energie-Einschränkung (”sorgsamer Umgang”).
Eine 2024 in „Nature“ erschienene Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung errechnete massiven Klimaschäden (“minus 19 Prozent Welteinkommen bis 2050”), sie sorgte für große Medienresonanz und wurde von OECD, Weltbank, US-Regierung, NGFS und EZB-Stresstests eingesetzt.
Schnell häuften sich scharfe methodische Kritiken; laut offengelegten Gutachten hatten bereits alle vier Reviewer vor der Veröffentlichung gravierende Mängel moniert. Interessenkonflikte zwischen PIK, NGFS und Förderern wie ClimateWorks wurden deutlich.
„Nature“ verzögerte die Veröffentlichung von Einwänden (u. a. von Schötz, Bearpark, Hopper) und versah die Studie erst spät mit einem Warnhinweis.
Die PIK-Autoren um Anders Levermann legten einen Preprint mit Korrekturen vor und behaupten stabile Kernergebnisse, doch Kritiker werten die neuen Methoden als Eingeständnis, dass die ursprüngliche Analyse untauglich war.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf nach wissenschaftlicher Qualitätssicherung, Unabhängigkeit gegenüber Finanz- und Politikakteuren und dem Umgang führender Journale mit Einwänden; das PIK räumt Versäumnisse ein. Hier mein ausführlicher Text zu dem Skandal. Auch über politische Interessen des PIK habe ich geschrieben.
Schlankerer Staat? Die Klimabürokratie boomt. Laut Bundeshaushaltsplänen hat sich die Zahl der Beamtenstellen am Umweltbundesamt in den vergangenen vier Jahren um mehr als ein Drittel erhöht.
Deutschland kauft jährlich ca. 85 Millionen Tonnen Erdöl und 75 Millionen Tonnen Erdgas aus anderen Ländern (teuer), aber verbietet Bohrungen nach Erdöl und Erdgas im eigenen Land, die billiger und klimafreundlicher wären und im Zweifel nach höheren Umweltstandards erfolgen würden.
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Heute vor 40 Jahren erlebte die Klimaforschung ihren Durchbruch (es wurde ein bisschen getrickst)
In den 1980er-Jahren erkannten immer mehr Wissenschaftler, dass wegen der Anreicherung klimawirksamer Treibhausgase in der Luft eine globale Erwärmung zu erwarten war. Der Chef der UN-Umweltorganisation UNEP, Mostafa Tolba, glaubte zu wissen, wie sich das Klima auf die politische Agenda hieven ließe.
Tolba plante, das Ozonloch-Drehbuch für den Klimawandel zu kopieren: Im ersten Schritt identifizieren Wissenschaftler ein Umweltproblem, im zweiten verhandelt die Weltgemeinschaft konkrete Ziele, im dritten sorgen politische Kampagnen für die Zustimmung der Staaten, und schließlich verabschieden die UN eine Konvention.
»Auch das Klima wurde als Politik geboren«, sagte Peter Usher, Tolbas Berater. Doch das Schema der Ozonloch-Bekämpfung täuschte, denn der Klimawandel stellt ein komplexeres Problem dar: Fluorkohlenwasserstoffe hatten sich verbieten lassen, weil sie leicht zu ersetzen waren, ähnlich wie bei anderen Verschmutzungsproblemen, etwa Saurem Regen oder Smog. Fossile Energien hingegen, die Treiber der globalen Erwärmung, bilden die Grundlage für Weltwirtschaft und Wohlstand.
Tolba folgte dennoch seinem Plan, er wollte die Klimaforscher hinter sich bringen. Die Bahn schien frei: Erwärmungsskeptiker Aksel Wiin-Nielsen hatte sein Amt als Präsident der Weltmeteorologie-Organisation WMO 1983 nach nur einer Amtszeit aufgegeben.
Tolbas UNEP und die neue WMO-Führung beraumten für Anfang Oktober 1985 eine Tagung im österreichischen Villach an, die den Durchbruch bringen sollte. Der Plan ging auf.
Klimawandel-Enthusiast Jim Bruce vertrat nun die WMO: »Ich fühle eine große Dringlichkeit bei diesem Thema«, rief er den Teilnehmern aus 29 Ländern emotional während seiner Begrüßungsrede in Villach zu. »Wir müssen nun die meisten Zweifel beilegen, was den Treibhauseffekt angeht«, verkündete Tolba in seiner Ansprache.
Eine Woche, vom 9. bis zum 15. Oktober 1985, diskutierten 89 Wissenschaftler in Villach – unter ihnen Bert Bolin, Syukuro Manabe und Roger Revelle. Einen »Wow-Effekt« habe die Tagung ausgelöst, schwärmte die österreichische Klimaforscherin Jill Jäger – als gehöre man einer Gruppe an, die ein Menschheitsproblem lösen müsse.
Eigentlich hatten UNEP und WMO versprochen, dass aktuelle Studien die wissenschaftliche Grundlage aller Entscheidungen bilden sollten. Das Konsensdokument von Villach aber lieferte verschärfte Formulierungen, Tolba und seine Verbündeten hatten ein bisschen getrickst.
So bestünden nur »geringe Zweifel«, dass die erwartete Erwärmung »tiefgreifende Effekte auf Ökosysteme, Landwirtschaft, Wasserressourcen und Meereis haben wird«, hieß es plötzlich - eine Apodiktik, die deutlich über den Stand des Wissens hinausging (obgleich sie vom heutigen Wissensstand durchaus gedeckt ist).
Zwar hatten immer mehr Wissenschaftler in den Achtzigern anerkannt, dass der Ausstoß von Treibhausgasen durch Industrie, Straßenverkehr und Kraftwerke zunehmende Erwärmung verursachen würde. Doch die Debatte zu den Auswirkungen verlief in den 1980ern äußerst kontrovers.
Aber Tolba schaffte es, den Wissenschaftlern in Villach politische Forderungen abzuringen: Regierungen seien dazu angehalten, die Ergebnisse hinsichtlich der Kontrolle von Abgasen in ihr Kalkül einzubeziehen und ihre Bevölkerung über den Klimawandel zu informieren, heißt es in dem Papier. »Wissenschaftler und Politiker sollten eine aktive Zusammenarbeit beginnen, um die Effektivität alternativer Politik und Anpassungen zu erörtern.«
Zufrieden fuhren der UNEP-Chef und sein WMO-Kollege Bruce nach Hause und begannen mit der Umsetzung der Villach-Forderungen – sie brachten die Gründung des UN-Klimarats IPCC auf den Weg, den »Intergovernmental Panel on Climate Change«.
Dessen erster Sachstandsbericht von 1990 blieb hinter der teils dringlichen Rhetorik der Villach-Tagung zurück; Wissenschaftler hatten sich einstweilen durchgesetzt gegen politische Avancen. Doch ab 1992 sollten Klimaforscher den Druck des UN-Klimasekretariats spüren - davon erzähle ich in meinem Buch in Kapitel 19. Axel Bojanowski








