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Vorab: 3 Klima-Fundstücke
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Der globale Energieverbrauch wächst ungebremst:
Dass wirklich jede steile Klimawandel-These prominent in die Medien gelangt, beweist dieses paper. Die Autoren verknüpfen 2004–2019er-Haushaltseinkaufsdaten in den USA mit der lokalen Temperatur, ordnen den gekauften Produkten deren Zuckergehalt zu, schätzen den Temperatureffekt auf den gekauften Zucker und projizieren diesen unter unrealistisch extremen Klimaszenarien bis 2095. Alles daran ist wissenschaftlich problematisch. Die Medien-Resonanz aber ist groß: “Steigende Temperaturen fördern Zuckerkonsum”, meldet sogar das Ärzteblatt.
Diese Karte zeigt die Länder mit der höchsten Pro-Kopf-Produktion von Degrowth-Studien - Deutschland liegt in der Spitzengruppe, kaum irgendwo ist Postwachstum an den Unis so populär wie hierzulande:
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10 Jahre Pariser Abkommen: Die dubiose Geschichte, wie das 1,5-Grad-Ziel in den Klimavertrag gelangt ist
Als die Vereinten Nationen am 12. Dezember 2015 - heute vor zehn Jahren - in Paris unter frenetischem Applaus von Delegierten dem Klimaabkommen zustimmten, übertrafen sie das, was sich Aktivisten erhofft hatten.
Die globale Erwärmung bis 2100 solle »deutlich unter 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau gehalten« und es sollten »Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen« – so steht es im Pariser Abkommen.
Obwohl nicht als offizieller Vorsatz beschlossen, sondern als ehrgeiziger Arbeitsauftrag formuliert, gilt das sogenannte 1,5-Grad-Ziel als Maß, dem sich unter anderem die deutsche Bundesregierung verpflichtet sieht. Doch wie kam es zu dem Beschluss in Paris?
“Hatte niemand auf dem Zettel”
»Die 1,5 Grad hatte bis zum Schluss niemand wirklich auf dem Zettel«, erinnerte sich Jochen Flasbarth, SPD-Staatssekretär im Bundesumweltministerium und einer der Verhandler. Dabei war Deutschland ein entscheidender Treiber: Seine Delegation hatte sich in Paris mit dem Verhandler der Marshallinseln, Tony de Brum, verbündet.
Die Inselstaaten sahen sich wegen des Meeresspiegelanstiegs als Erste von der globalen Erwärmung betroffen und kämpften daher für ein niedriges Ziel von 1,5 Grad. Er habe »volles Vertrauen« in die Deutschen, sagte de Brum damals.
Die Bundesrepublik »unterstützt die Forderung nach 1,5 Grad«, entgegnete Flasbarth, obwohl die Position nicht mit der Regierung abgestimmt war. Die Medien berichteten. »Ich bekam dann einen Anruf aus dem Kanzleramt, was das denn solle«, sagte Flasbarth gegenüber der taz. »Ich habe denen gesagt: Das sagt man hier so auf der Konferenz, und dann hat keiner mehr nachgefragt.«
»Wie konnte ein nahezu unmögliches Ziel zum Bezugspunkt für den Klimaschutz werden?«, wollten die französischen Wissenschaftssoziologinnen Béatrice Cointe und Hélène Guillemot wissen.
1,5-Grad-Wissenschaft
Das Konzept sei ursprünglich für die Europäische Union entwickelt worden, erzählte ein Klimamodellierer während ihrer Recherche und verwies auf die damit verknüpfte Lobbyarbeit: Die European Climate Foundation (ECF), das PIK, Climate Analytics und andere hatten sich nach der Klimakonferenz von Kopenhagen 2009 in der »International Policies and Politics Initiative« zusammengetan, um Rechnungen und Szenarien für das 1,5-Grad-Ziel beizusteuern.
Damit betraten sie wissenschaftliches Neuland: »Wir waren die Außenseiter, die Papiere und Modellrechnungen vorlegten, die sich mit 1,5 Grad als Ziel beschäftigten«, erinnert sich der Klimaforscher Carl-Friedrich Schleussner von Climate Analytics, einer Denkfabrik des PIK, finanziert vom UBA, den Bundesministerien für Umwelt und Entwicklung, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, der ECF, der Munich Re und der Lobbyorganisation Agora Energiewende.
Breiter Widerstand
Schon auf der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 hatten die Inselstaaten gefordert: »One point five to stay alive« – 1,5 Grad, um am Leben zu bleiben. In den letzten Tagen der Pariser Tagung machten sie das 1,5-Grad-Ziel zur Bedingung für ihre Zustimmung: »Für uns Inselstaaten war das eine rote Linie«, berichtete James Fletcher, Energieminister der Karibikinsel St. Lucia.
»Wir waren entschlossen, daran festzuhalten und zur Not die Verhandlungen platzen zu lassen. Wir hatten schon zu viele ergebnislose Konferenzen gesehen.«
Doch auch er weiß nicht, wie die 1,5 Grad schließlich in den Text des Pariser Abkommens gelangten, verriet er der taz: »Ich habe mit den Arabern geredet, die sagten: Keine Chance, das bedroht unsere Wirtschaft. Und mit einem Verhandler aus Argentinien, der sagte: Ich fühle mit euch mit, aber 1,5 Grad bedeutet, dass wir kein Rindfleisch mehr verkaufen. Das geht nicht.«
Spontaner Deal
Dass die Passage im Endtext auftauchte, sei erst »sehr früh am Morgen des letzten Tages« entschieden worden, sagt die Klimagesandte der französischen Regierung, Laurence Tubiana. »Vor allem die Saudis und die Chinesen stellten sich strikt dagegen.«
Doch es gab ein Thema, das ihnen noch wichtiger war, nämlich einen Vorteil gegenüber den alten Industrieländern festzuschreiben. Die »gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung« der Staaten sollte ins Abkommen, was im Klartext bedeutete, dass sich die reichen Länder zu mehr Klimaschutz verpflichten mussten.
»Davon waren sie regelrecht besessen«, erzählt Tubiana. »Und im Austausch dafür kamen die 1,5 Grad in den Text. Das war unsere Balance.« Die Europäer haben sich letztlich mit einer unerfüllbaren Auflage belastet; das 1,5-Grad-Ziel sei nicht erreichbar, erklärte Jim Skea, nachdem er 2023 zum neuen IPCC-Chef gewählt worden war. Axel Bojanowski
Der Text ist ein Ausschnitt aus meinem Buch „Was Sie schon immer übers Klima wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Der Klimawandel zwischen Lobbygruppen und Wissenschaft“, kürzlich erschienen im Westend-Verlag:





