5 Anekdoten und 5 Neuigkeiten
In der Klimadebatte geht es selten um Wissenschaft
++++++++ Vorweg: 5 Klima-Fundstücke ++++++++
Auf sozialen Medien erhielt ich heftige Proteste, wegen der Überschrift meines WELT-Artikels über den Abriss der deutschen Atomkraftwerke: “Wie die Sprengung der Buddha-Statuen durch die Taliban”.
In dem Artikel (er ist derzeit ohne Abonnement lesbar) erzähle ich, wie sich die selbstzerstörerische deutsche Kultur der Umweltbewegung in der Anti-AKW-Bewegung manifestiert. (Die Künstliche Intelligenz Grok findet den Taliban-Vergleich übrigens zutreffend.)
Mit zwei Klimaforschern kam ich vergangene Woche auf die Neuigkeit zu sprechen, dass Bjorn Stevens, Co-Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, zum “Fellow” der American Geophysical Union gewählt wurde. Beide sagten wortgleich: “Was? War der das nicht längst?”
Wer wirklich eintauchen will in das Wissen übers Klima, dem empfehle ich Vorträge von Stevens.
Dass Medien in Sachen Klimawandel mit Vorsicht konsumiert werden sollten, zeigt sich auch jetzt wieder, als vom “Rekordanstieg von CO2” die Rede ist:
Die “Klimanachrichten” haben sich die jährlichen Anstiege angesehen und seit den 1980er-Jahren höhere Anstiege gefunden:
Der erfolgreiche Hamburger Volksentscheid zu verschärften Maßnahmen zur Emissionen-Verringerung ist voller Widersprüche, aber dieser ist besonders komisch. Die Initiatoren warben damit, dass verschärfte Maßnahmen zur CO2-Reduktion Kosten der Bürger reduzieren würden (warum auch immer, das wurde nicht klar).
Am Tag nach der gewonnen Abstimmung sagte dann die Hamburger Vize-Bürgermeisterin der Grünen, dass Hamburg Zuschüsse des Bundes und der EU benötigen würde, um die Maßnahmen umzusetzen. (Ich hatte übrigens mit dem “Cicero” über den Volksentscheid gesprochen.)
Wer große Medien konsumiert, erfährt vorwiegend von prognostizierten Extremszenarien.
Dabei sehen die meisten Modellierungen die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf dem Weg zu 2 bis 3 Grad im Vergleich zum 19. Jahrhundert (der Basislinie), was indes auch erhebliche Umweltrisiken mit sich brächte.
Eine aktuelle Arbeit, veröffentlicht in “Nature Communications Earth & Environment” senkt die Wahrscheinlichkeit für ein 3-Grad-Szenario weiter:
“Die Wahrscheinlichkeit eines katastrophalsten Klimawandels von über 3 °C ist jedoch deutlich gesunken, von 26 % auf 9 %”, heißt es dort.”
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5 Anekdoten aus dem Klima-Streit:
Geheimnisvoller Aufruf
Ihr “Aufruf” war ein riesiger Erfolg. Nachdem die beiden Wissenschaftsverbände Deutsche Physikalische Gesellschaft und Deutsche Meteorologische Gesellschaft im September medienwirksam auf dem “Extremwetterkongress” ihre Warnung vor einer dramatischen Beschleunigung der Erwärmung auf 3 Grad bis 2050 (!) veröffentlicht hatten, ernteten die Verbände Hunderte Schlagzeilen.
Wer sich allerdings bei den Mitgliedern der Verbände umhörte, hatte es schwer, ein Mitglied zu finden, dass hinter dem “Aufruf” stand. Höfliche aber deutliche Distanzierung war die übliche Reaktion.
Die 3 Grad bis 2050 gelten als Außenseitertheorie, gut genug zwar für Journalisten, aber die meisten Wissenschaftler wollten sich damit nicht gemein machen.
Nun verbreitet auch das Deutsche Klimakonsortium, ein Zusammenschluss von Klima-Institutionen, per E-Mail an Journalisten einen Aufruf, in dem es heißt: “Die geballte deutsche Klimawissenschaft fordert Herrn Merz auf, sich für starke EU-Emissionsreduktionsziele einzusetzen.”
Ich schrieb eine E-Mail mit der Frage, wer persönlich hinter der Aufforderung stand, doch auch auf eine zweite Mail erhielt ich keine Antwort. So ließ sich nicht klären, wer die “geballte Wissenschaft” war.
Medien machen Wissenschaft
Ein Wissenschaftler berichtete mir von einem interessanten Intermezzo auf der gerade beendeten Tagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.
Ein Professor hätte dort in seinem Vortrag damit geworben, dass große Medien berichtet hätten: „unser Wasser verschwindet“. In der Rede stellte der Professor ansonsten beeindruckende Satellitenmessungen vor, die aber keinen Zusammenhang zu seinen einleitenden Aussagen herstellten.
Nach dem Vortrag meldete sich ein anderer Professor und fragte den Vortragenden, ob die Einleitung schlicht Marketing gewesen sei. Schließlich deuteten Messungen nicht auf einen Wassermangel in Deutschland hin, Niederschläge zeigten gar einen zunehmenden Trend.
Nach einigem Geplänkel zwischen den beiden Professoren hätten sie sich darauf geeinigt, dass Deutschland keinen Wasserstress hat. Aber warum dann der Schwenk zu den alarmistischen Medienberichten, fragte sich der Zuhörer.
Erfolgreiche Beschwerde
Roger Piekle Junior erzählt eine wie ich finde typische Geschichte aus dem Wissenschaftsjournalismus. Nachdem er 2020 einen “Forbes”-Artikel veröffentlicht hatte über fragliche Klimadaten von Versicherungen, teilte ihm sein “Forbes”-Redakteur mit, dass der Versicherer sich über den Beitrag beschwert hatte, ohne den Inhalt zu bestreiten.
Der Redakteur habe ihm gesagt, dass Pielkes Kolumnen künftig sämtlich “im Voraus freigegeben werden müssten”. Ein Misstrauensvotum ohne Grund. “Das reichte mir, um mich von Forbes zu verabschieden”, schreibt Pielke Er startete seinen erfolgreichen Substack-Blog.
Nicht mehr für den IPCC arbeiten
Unter Klimaforschern herrscht Sorge, der nächste UN-Klimabericht könnte geprägt werden von politisierten Wissenschaftlern. Konkret geht es um jene, die von Stiftungen finanzierte Studien zur Zuordnung von Wetterkatastrophen zum Klimawandel erstellen - dabei handelt es sich um fragwürdige Methoden.
Die Schieflage scheint komplett, weil es beim IPCC weniger als bislang üblich Gegengewichte zu aktivistisch Motivierten zu geben scheint; Anfragen des IPCC bei renommierten Klimainstituten laufen häufig ins Leere. “Der Aufwand der Mitarbeit ist groß, das nehmen immer weniger Wissenschaftler auf sich”, sagte mir gerade ein leitender Forscher. Eine Chance für Aktivisten.
Exegese, statt Verständnis
“Das ist aber nicht Konsens, das steht so nicht im IPCC-Bericht”, entgegnete die Mitarbeiterin eines “Klima-Service-Centers”, als eine Meteorologin den ihrer Meinung nach unterschätzten Einfluss dekadischer Klimaschwankungen ins Spiel gebracht hatte. Der Verweis auf den UN-Klimabericht ersetzte also mal wieder das physikalische Argument.
„Früher haben Klimatologie-Studenten die Dynamik des Klimasystems lernen müssen”, erläuterte mir neulich eine Professorin für Atmosphärenforschung, “heutzutage lernen sie, den IPCC-Bericht auszuwerten.“ Exegese, statt Verständnis. Axel Bojanowski








