Klimajournalisten gefeuert - dreht sich der Wind?
Spektakuläre Kündigungen deuten an, dass die Party des Katastrophismus abflaut
Eine Warnung vor Hurrikan “Melissa” vor ein paar Tagen soll eine der letzten Amtshandlungen von Tracy Wholf, Senior Coordinating Producer von CBS News, gewesen sein vor der großen Entlassungswelle, die offenbar auch sie und fast ihr gesamtes Team betraf. In einer E-Mail an die Redaktion hatte Wholf demnach erläutert, wie der Sturm mit dem Klimawandel zusammenhänge.
“Die höher als durchschnittlichen Meerestemperaturen, schlimmer gemacht durch den Klimawandel,”, schrieb Wholf an ihre Kollegen, “haben Melissa geholfen sich rapide zu einem Kategorie-5-Hurrikan zu entwickeln”.
Die Zuordnung von Hurrikanen zur globalen Erwärmung ist allerdings alles andere als trivial, schließlich wirken diverse Kräfte, und nicht alle werden von der Erwärmung verstärkt, manche geschwächt.
Doch die Herstellung einer Verbindung zum menschengemachten Klimawandel gilt in vielen Redaktionen als Pflicht. Dazu gibt es seit Jahren Seminare und Broschüren von NGOs, in denen Formulierungen empfohlen werden wie jene von Wholf.
CBS News kooperierte offenbar mit der NGO Climate Central, die nach eigener Aussage darüber informieren möchte, “wie der Klimawandel das Leben der Menschen verändert”. Climate Central, gepäppelt mit dem Geld reicher Klima-Stiftungen, ist für erfolgreiche aber zweifelhafte Klimawandel-PR bekannt.
Auch “Covering Climate Now”, eine von Milliardärsstiftungen wie Packard und Rockefeller finanzierte Initiative zur Förderung der Klimaberichterstattung, hatte Wholf für ihre Arbeit gelobt.
Nach der Gründung 2019 hatten sich spontan Hunderte Medien “Covering Climate Now” angeschlossen, darunter neben CBS News auch: Spiegel, Stern und taz und internationale Medien wie Reuters, Bloomberg, AFP, ABC News und MSNBC News.
Ziel der Kampagne sei es, “die Berichterstattung über die Folgen der Klimakrise zu maximieren” und “Lesern, Zuhörern und Zuschauern zu zeigen, dass sie entschlossen sind, die Klimageschichte mit der Strenge, dem Fokus und der Dringlichkeit zu erzählen, die sie verdient”.
“Verbindung herstellen”
Dafür bietet “Covering Climate Now” Hilfestellungen auf ihrer Internetseite: “Denken Sie daran, dass eine Extremwettergeschichte, die den Klimawandel nicht erwähnt, unvollständig und möglicherweise sogar ungenau ist”, heißt es dort. “Die Verbindung herzustellen ist ebenso einfach wie nötig!”
“Covering Climate Now” hat einen “besonderen Tipp”: “Die Betonung der menschlichen Auswirkungen von Extremwetter kann dazu beitragen, die Bedeutung des Klimawandels zu verdeutlichen.”
Besonders engagierte Beiträge werden mit Preisen gewürdigt. So gewann 2022 ein Journalist des Time Magazine mit seinem Artikel “Die Energiewende ist in vollem Gange. Es geht nicht schnell genug”. Die Jury lobte, dass der Text pünktlich zur UN-Klimakonferenz erschienen war.
In Deutschland hatten Redaktionen in den Jahren nach 2018 mit dem Hype um “Fridays for Future” Klimajournalisten eingestellt, um den Klimawandel aktivistisch zu behandeln; es war das Thema der Zeit - und eine Bonanza: Auf einmal gab es überall “Klimajournalisten”.
Mächtige Netzwerke
Jeder wollte einen Teil des Kuchens, der von einer finanzstarken Lobby opulent bestückt worden war. Das Thema verschaffte Zugang zu mächtigen linken Netzwerken, NGOs, Instituten, Journalistenpreisen, Talkshows und mehr. Wer nicht abwich vom gemeinsamen Katechismus, genoss den Rückhalt einer mächtigen Aktivistenszene.
Die Bewegung konstituierte sich weniger durch sorgsame Recherchen über Hintergründe der Erwärmung und ihre politischen Verflechtungen als durch die Markierung von Feinden und einen manichäischen Kampf gegen das “fossile Patriachat”, der die eigene Gruppe zusammenschweißte.
Journalisten organsierten sich im “Netzwerk Klimajournalismus”, dem das problematische Pariser Abkommen und das zweifelhafte Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2021 als “Richtschnur und Leitplanken” dienen sollen. “Klimajournalimus zeigt Wege zu globaler Klimagerechtigkeit auf”, heißt es in der Charta. “Er beleuchtet die Ursachen der gesellschaftlichen Ungleichheit”.
“Der Globale Norden trägt durch den Kolonialismus und das Wachstumsparadigma seiner Ökonomien historisch die Verantwortung für die Klimakrise”, positioniert sich der Klimajournalisten-Verein politisch.
Eine große Party
Im Jahr 2020 unterschrieben Dutzende Journalisten in Deutschland, darunter Wettermoderatoren von ARD und ZDF, einen offenen Brief, die “Klimakrise endlich ernst zu nehmen”. Sie erklärten: “Die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels als vierte Gewalt zu kontrollieren, ist kein Aktivismus”.
Mit Ehrungen bestätigten sich Journalisten gegenseitig in ihrer Haltung. Das Medium Magazin belohnte besonderen Einsatz für das Klima mehrfach mit der Auszeichnung “Wissenschaftsjournalist des Jahres”.
Den “Reporterpreis” erhielten 2020 gleich drei Texte, welche die bevorstehende Umweltkatastrophe beschworen, obwohl sich in den Artikeln gravierende fachliche Fehler fanden – was aber nicht auffiel, weil sich Medienkritiker in Deutschland in der Regel in den Dienst des Klimaaktivismus stellen.
Es war eine große Party, die mit ihrem Aktivismus die Polarisierung der Gesellschaft und die der Klimadebatte anheizte, junge Leute in die “Klimaangst” trieb und einer hochproblematischen Energiepolitik in Deutschland den politischen Vorraum bereitete.
“Stern”, “Frankfurter Rundschau” und “taz” überließen Klimaaktivisten von Fridays for Future die Inhalte einzelner Ausgaben und die Stern-Chefredaktion verkündete, beim Klimawandel “nicht länger neutral sein zu wollen” - was auch immer das bedeuten mag. “Grüne Ausgaben” erschienen, selbst von Branchenmagazinen.
Dabei fallen eindeutige Positionen eigentlich schwer in der Klimadebatte mit all ihren versteckten Interessen, Unwahrheiten und politischen Verwicklungen.
NGOs und Medien wuchsen noch weiter zusammen als ohnehin schon. “Studien” und Ansichten von NGOs zu übernehmen, gilt als normal im Journalismus; sie infrage zu stellen, bedeutet nicht selten eine soziale Hochkostensituation.
2018 kamen NGO-Leute in Redaktionen und erklärten, warum die wissenschaftlich korrekten und zutreffenden Begriffe Erderwärmung und Klimawandel “verharmlosend” seien und - wenig trefflich - mit “Erderhitzung” und “Klimakrise” ersetzt werden sollten.
Kritik an dem Neusprech - zum Beispiel, dass eine “Krise” nicht von Dauer ist, die Erwärmung aber lange andauern wird, oder “Erhitzung” bei erwarteten plus zwei/drei Grad unzutreffend ist - wurde verächtlich gemacht.
Zu meiner begrenzten Überraschung übernahmen die meisten Redaktionen die Weisung, und wer sich widersetzte, galt als “Klimaleugner” oder als “rechts”. Und darum geht es dabei: um Macht - Sprache als Mittel, andere politisch auf Linie zu zwingen oder auszugrenzen, auf Kosten wissenschaftlicher Genauigkeit.
Dass die ARD Anfang 2022 Vince Ebert als Moderator bei “Wissen vor acht” durch den Klimaaktivisten Eckhard von Hirschhausen ersetzte, erschien geradezu zwangsläufig, nachdem Hunderte Journalisten eine Petition für eine Klimasendung vor der Tagesschau eingereicht hatten.
Der Spiegel rief die globale Erwärmung “zur großen gesellschaftlichen Zukunftsaufgabe” und zum “wohl drängendsten Thema unserer Zeit” aus. 2018 holte das Blatt den ehemaligen Chefredakteur des “Greenpeace Magazins” in die Leitung des Wissenschaftsressorts und machte ihn für die neue Rubrik “Klimakrise” zuständig.
Vorbei. Der Greenpeace-Journalist wurde beim “Spiegel” degradiert und aus dem Wissenschaftsressort entfernt, und die Internetseite des “Spiegel” ziert auch nicht mehr jenes Banner, das seit 2019 den “Fortschritt” beim Ausbau von Windkraft und Solarenergie in Deutschland anzeigte.
Nachdem jahrelang so gut wie keine Kritik am wissenschaftsfernen Aktivismus zu lesen und zu hören war und sich kompetente Journalisten, die zuvor über das Klima schrieben, zurückgezogen hatten aus Sorge vor Diffamierung, erscheinen auch in deutschen Medien mittlerweile kritische Stücke über die Auswüchse des Klimaalarms und über die vermaledeite deutsche Energiewende.
Zaghaft versuchen Medien, Berichten über den Klimawandel weniger katastrophistische oder gar hoffnungsvolle Noten zu geben, ganz so, als ob sie mit der überspannten Klima-Berichterstattung seit 2018 nichts zu tun hatten. Der Wind scheint sich zu drehen, und Journalisten sind meist die Ersten, die ihre Meinungen dann passend justieren.
Mit am schrillsten berichtete die “New York Times”. Ihre Autor David Wallace-Wells landete 2019 mit “The Uninhabitable Earth” den wohl bekanntesten Apokalypse-Bestseller zum Klimawandel. Ausgerechnet er hinterfragt nun den Klima-Alarmismus.
Hier ein paar interessante Zitate aus seinem aktuellen Artikel, die den Zeitgeist-Wandel illustrieren:
“Die Klimakrise schien eine Art Erlösungschance für die gesamte technokratische liberale Elite zu bieten, deren sozialer Status und moralischer Führungsanspruch seit der Finanzkrise etwas zerbröckelt war.”
“Als man sich nach Investitionsmöglichkeiten umsah, schien ein grüner Wandel eine naheliegende Wahl zu sein, weshalb jeder, der versuchte, eine bessere wirtschaftliche Zukunft für Europa zu schaffen, ausnahmslos eine enorme Erhöhung der Investitionen in saubere Energie vorschlug.”
“Es gab auch moralistische oder quasi-moralistische Elemente. In den Jahren nach Paris wurde immer mehr von Klimagerechtigkeit gesprochen... Dies war nur eine von vielen ähnlichen Abrechnungen mit systemischen sozialen Ungleichheiten in jenen Jahren, und ein grüner Wandel mag den Staats- und Regierungschefs der Welt als eine attraktivere und zukunftsorientiertere Möglichkeit erschienen sein, weiße Schuld zu sühnen.”
“Die rasche Erwärmung erschien manchen wie eine Quittung für kulturelle Dekadenz und konsumistische Exzesse, wobei das Klima manchmal apokalyptische Züge eines theologischen Moralstücks annahm.”
Die Entlassung des CBS-News-Klimateams fiel anscheinend zusammen mit der Entlassung zahlreicher weiterer Kollegen nach der Übernahme einer neuen Chefredaktion bei CBS News. Doch weder eine neu ausgerichtete Chefredaktion, noch der Verzicht auf aktivistische Klimajournalisten wäre vor Kurzem denkbar gewesen.
Tracy Wholf und Kollegen müssen sich aber keine Sorgen machen um Weiterbeschäftigung. Das riesige Netzwerk aus NGOs, UN-Instituten oder Klima-Organisationen dürfte sie auffangen, vermutlich sogar mit verbessertem Gehalt.
Gleichwohl scheint die Lobby in die Defensive geraten; steht ein Backlash an? Es könnte ähnlich verrückt werden wie die Jahre zuvor - nur andersrum. So weit ist es allerdings noch lange nicht, weiterhin gerät jede steile Klimakatastrophen-These zur Schlagzeile. Axel Bojanowski







