++++++++ Vorweg: 5 Klima-Fundstücke ++++++++
Die deutsche Energiewende mit ihrem Fokus auf die schwankenden Energiequellen Wind und Sonne lässt oft vergessen, dass Deutschland eines der dunkelsten Länder (Solarenergie) und abseits der Küsten auch kein windiges Land ist. Das veranschaulicht diese Grafik aus einem McKinsey-Report:
Peak Oil wurde erneut verschoben. Neue Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) postulieren, dass die Ölnachfrage bis 2050 weiter steigen wird.
Pünktlich zur UN-Klimakonferenz erschien wieder das “Klimafaktenpapier”, das von Medien stets 1:1 übernommen und zugespitzt wird. Von der “Beschleunigung der Erwärmung”, das die gleichen Verbände kürzlich behaupteten, ist nun keine Rede mehr; Experten hatten sich von der These distanziert.
Kaum etwas spaltet die Gesellschaft so wie Kernspaltung. In den USA jedoch ist sie mittlerweile die konsensfähigste Energieform, wie eine repräsentative Umfrage zeigt:
Die McKinsey-Grafik zur mitunter vergessenen Tatsache „Es gibt keine wohlhabenden Länder mit niedrigem Energiebedarf”:
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“Deutschland steckt im Klimagefängnis”
Neulich hatte ich Gelegenheit, für WELT Franz Josef Radermacher zu interviewen, einen der versiertesten Kenner internationaler Klimapolitik.
Prof. Dr. Dr. Dr. Radermacher ist emeritierter Professor an der Universität Ulm; er leitete das Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm, ist Mitglied des UN-Council of Engineers for the Energy Transition, war Senior Advisor bei der United Nations Industrial Development Organization, ist Club-of-Rome-Vordenker und war von 2000 bis 2018 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.
Hier in Kürze einige seiner wichtigsten Thesen:
These 1:
Deutschlands Energiewende müsse grundlegend reformiert werden, fordert Radermacher. Deutschland verschwende riesige Summen für eine ineffektive Energiewende im eigenen Land, obwohl es für viel weniger Geld im Ausland weitaus effektiver zum Klimaschutz beitragen könnte.
These 2:
Internationale Klimaschutz-Kooperationen würden von Nutznießern der Energiewende verhindert, weil die möchten, dass Geld für Klimaschutz in Deutschland ausgegeben werde, damit sie selbst davon profitieren könnten. „Es muss Schluss sein mit dem Klimanationalismus“, fordert Radermacher.
These 3:
Der Experte wähnt Deutschland in einem „Klimagefängnis“, in dem Bürger und Unternehmen gezwungen würden, viel Geld auszugeben für Klimaschutz, „in einer Weise, die zur Lösung des Erwärmungsproblems so gut wie nichts beiträgt, aber extrem teuer ist“. Naheliegende Alternativen hingegen würden gesetzlich ausgeschlossen, was wie „Gefängnismauern“ wirke.
These 4:
Das Bundesverfassungsgericht habe am deutschen Klimagefängnis wesentlich mit gebaut, kritisiert Radermacher. Er halte das maßgebliche „Klima-Urteil“ des höchsten deutschen Gerichts von 2021 „für eine fundamentale Fehlentscheidung“. Die Position des Gerichts beinhalte viele sachliche Fehler und zementiere ein “weltfremdes, für die Sache wirkungsloses Programm”.
These 5:
Deutschlands Energieeffizienzgesetz, das vorsieht, den Energieverbrauch fast zu halbieren, nennt Radermacher „Harakiri“. Diese Grafik zeigt den Energieplan aus dem Energieeffizienzgesetz:
Es handele sich um ein „Wirtschaftsschrumpfungs- und Industrievertreibungsgesetz“, sagt Radermacher. Er hoffe, die neue Regierung werde das Gesetz ersatzlos streichen. Es gibt keine wohlhabenden Länder mit niedrigem Energiebedarf, siehe oben.
These 6:
Für einen „Gamechanger“ hält Radermacher die Technologie zu CO2-Abscheidung und Verpressung (CCS). „Ab 2050 könnten wir so jedes Jahr 10 Milliarden Tonnen CO2 aus der Luft holen“, also rund ein Viertel der aktuellen jährlichen globalen CO2-Emissionen, meint Radermacher. Bei der Erdöl- und Erdgasförderung werde CCS seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt, es handele sich um etablierte Technologie.
Hier weitere Einschätzungen Radermachers:
Deutschlands Weg mit Wind und Sonne sei falsch:
Es gibt zwei Missverständnisse in der deutschen Diskussion. Man tut einerseits so, als wären die Probleme gelöst, wenn man Strom nur mit Wind und Sonne produzieren würde. Es ist aber so, dass die Stromproduktion sehr teuer wird, wenn der Anteil von Wind und Sonne jenseits von 50 Prozent liegt. Und zwar wegen der Unbeständigkeit der Stromproduktion, die doppelte Systemkosten erforderlich machen. Wir erleben doch gerade, wie teuer das wird.
International sei fossile Energie weiter auf dem Vormarsch:
75 Prozent des Bruttoenergieverbrauchs sind nicht vom Typ Strom. Hier wird nach wie vor fossile Energie eingesetzt. International wird fossile Energie sogar weiterhin in absoluten Zahlen stärker ausgebaut als erneuerbare Energie, aufstrebende Länder errichten Kohlekraftwerke und fördern zunehmend Erdgas.
Man wird mit den meisten Ländern keine Verträge zum Schutz des Klimas abschließen können, wenn die Nutzung von fossilen Energien verboten werden sollte. Denn das würde ihre wirtschaftliche Entwicklung blockieren. Stattdessen müssen wir die Länder des Südens beim Klimaschutz unterstützen, zum Beispiel mit der Finanzierung von CCS und mit natur-basierten Lösungen wie Aufforstung.
Es müsse “Schluss sein mit dem Klimanationalismus”:
Wir müssen kooperieren. Der Süden kann CO2 kostengünstig binden und die Entwicklungsländer wollen Wohlstand aufbauen – beide Ziele lassen sich verbinden. Der Pariser Klimavertrag erlaubt den Ländern des Südens die Erhöhung ihrer Emissionen, um Entwicklung zu fördern.
Also müsste Deutschland mit Finanzierung und moderner Technologie helfen, die Emissionen dort trotzdem zu senken. Mit CO2-Abscheidung und Verpressung (CCS) zum Beispiel, also dem Abfangen von Emissionen an Kraftwerken und Fabriken.
Riesige Summen ließen sich einsparen:
Nach unseren Rechnungen geben wir alleine für die Transformation 120 Milliarden Euro pro Jahr zu viel aus. Den Betrag könnte man einsparen und etwa die Hälfte für eine wirksame Klimapolitik aufbringen – dort, wo es dem Klima wirklich nützt: im globalen Süden.
Dort kann eine Tonne CO2 für 50 Euro aus der Luft geholt werden, während wir in Deutschland hunderte, teilweise tausende Euros pro vermiedener Tonne CO2 ausgeben.
Deutschland sollte Bäume pflanzen:
Die Finanzierung von Aufforstung im Süden käme uns erheblich günstiger als der deutsche Sonderweg. Auf einer Milliarde Hektar ließen sich Bäume und schnellwachsende Hölzer pflanzen, die CO2 binden. Zusammen mit Maßnahmen zur Boden-Verbesserung und verstärktem Regenwaldschutz könnten solche natur-basierten Lösungen ebenfalls zehn Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr eliminieren helfen.
Der Einwand von Klimaaktivisten, Deutschland würde sich mit internationalen Projekten von seinen Verpflichtungen freikaufen, sei ein vorgeschobenes Argument:
Ihr eigentliches Ziel ist, dass sämtliches Geld für Klimaschutz bei uns ausgegeben wird, wovon natürlich Einzelne profitieren, womit gesamtgesellschaftlich jedoch Verarmung gefördert wird. Außerdem setzen sich westliche Klimaschützer gegen die Förderung und Nutzung fossiler Energie in ärmeren Ländern ein und empfehlen „Renewables only“. Die betreffenden Länder lehnen das zunehmend ab und wenden sich China oder den Ölstaaten zu. Wir im Norden gelten inzwischen als „Heuchler“.
Deutschland sitze in einem „Klimagefängnis“:
Jede Person und jedes Unternehmen hierzulande wird regulatorisch gezwungen, viel Geld für Klimaschutz auszugeben - in einer Weise, die zur Lösung des Erwärmungsproblems so gut wie nichts beiträgt, aber extrem teuer ist.
Naheliegende Alternativen werden gesetzlich ausgeschlossen, was wie „Gefängnismauern“ wirkt. Es profitiert eine mächtige Lobby aus Politik, Unternehmen, wissenschaftlichen Instituten, einschlägigen NGOs und vielen weiteren gut bezahlten Personen, welche die zugehörige Bürokratie betreiben, die unserer Industrie die Luft abschnürt.
Von Herrn Radermacher erschien gerade zusammen mit Bert Beyers das empfehlenswerte Buch „All in! Energie und Wohlstand für eine wachsende Welt“ (Murmann Verlag). Axel Bojanowski










