Der beliebteste Weltuntergang, ein gutes Geschäft
Medien preisen irreführende Meeresspiegel-Prognosen
Traditionelle Medien straucheln, ihr Geschäftsmodell schwächelt. Für Journalisten lukrativer erscheint die Arbeit für Lobbygruppen, im PR-Bereich locken neue Organisationen mit saftigen Verdiensten.
Der Vorstandsvorsitzende der NGO Climate Central beispielsweise erhält Insidern zufolge ein Jahresgehalt von mehr als 250.000 US-Dollar.
Mitte Oktober 2021 meldete er sich persönlich bei Journalisten per E-Mail: “Wir freuen uns darüber, mehr als 1000 Fotos und Videos mit Ihnen teilen zu können.”
Das Material zeigte auf einer interaktiven Karte, wie Städte und ganze Gegenden im Meer versinken. “Die jüngste Veröffentlichung hat mehr als 1000 Artikel in über 75 Ländern generiert”, pries der Vorsitzende seine Geschichte.
Kaum ein großes Medium ließ sich die Publikation der Karten von Climate Central entgehen, welche die Folgen eines Anstiegs des Meeresspiegels verdeutlichen sollen. Darin markieren rote Flächen künftig überflutete Regionen.
“Südvietnam könnte ganz verschwinden”, mahnte die New York Times. Das Kalkül von Climate Central war aufgegangen.
Laut eigener Aussage möchte die “gemeinnützige Organisation” lediglich darüber informieren, “wie der Klimawandel das Leben der Menschen verändert”. Das veröffentlichte Material aber macht deutlich, dass es sich dabei nicht um seriös recherchierte Tatsachen handeln muss.
Auf der Karte sind schlicht alle Gebiete auf dem Festland gekennzeichnet, die laut Klimaszenarien künftig unter dem Meeresspiegel liegen könnten – was aber nicht bedeutet, dass diese auch geflutet werden. Schon heute befinden sich weite Regionen unterhalb der Wasserlinie, auch Teile von Südvietnam.
Die Bewohner passen sich an, zum Beispiel mit Deichen. Landflächen weltweit sind in der Gesamtbilanz sogar gewachsen, berichten Forscher im Journal of Photogrammetry and Remote Sensing. Zunehmender Wohlstand hat dafür gesorgt, dass sich Küstenregionen gegen den Anstieg der Ozeane schützen können. Doch diese Information fehlt auf den Karten von Climate Central.
Der stetig steigende Meeresspiegel stellt Küstenregionen vor enorme Herausforderungen. Doch er bedeutet nicht automatisch den Verlust von Land, das beweisen die Niederlande seit Jahrhunderten. Rund ein Sechstel ihres Landes haben die Niederländer der Nordsee abgetrotzt.
Die Niederländer bauten schon vor Jahrhunderten Deichkreise ins Meer, um das darin gefangene Wasser herauszuschaffen – und das trocken gefallene Land zu befestigen.
Auch im Deichbau sind die Niederlande führend: Gut ein Viertel der Fläche des Landes mit einem Fünftel der Bevölkerung liegt unter dem Meeresspiegel, manche Regionen mehr als fünf Meter tief. Hohe Deiche und Tore schützen das Land.
Auf einen weiteren Anstieg der Nordsee um einen Meter wären Küstenanlagen bereits eingestellt, teilt das niederländische Amt für Wasserbau mit. Abgedeckt sind damit auch pessimistische Szenarien bis Ende dieses Jahrhunderts.
Die Behörde plant bereits für die Zeit danach: Technisch könnten die Niederlande bereits fünf Meter Meeresspiegelanstieg bewältigen, sagte mir neulich der Leiter der niederländischen Küstenschutzbehörde.
Bangladesch ist reicher, als es die Niederlande Mitte des 19. Jahrhunderts waren, als sie der Nordsee bereits Land abtrotzten. Entsprechendes Potenzial hat auch das asiatische Land.
Bangladesch sei mittlerweile eines der am besten auf den Meeresspiegelanstieg vorbereiteten Länder, erklärte Saleemul Huq, bis zu seinem Tod im Oktober 2023 Direktor des International Centre for Climate Change and Development, über sein Heimatland. “Wir haben akzeptiert, dass wir uns anpassen müssen”, sagte Huq.
Auch über die Anpassung ans Flusshochwasser-Risiko in Bangladesch äußerte sich der Experte optimistisch:
Mit dem steigenden Meer dringt allerdings zunehmend Meersalz ins Grundwasser und auf landwirtschaftliche Felder. Bangladesch hat reagiert: Salztolerante Pflanzen werden angebaut, Ernteverluste auf diese Weise verhindert.
Climate Central scheint die Realität gerne auszublenden, seine Warnung vor dem Klimawandel fällt drastisch aus - und das ist ganz im Sinne der Geldgeber. Climate Central wird gefördert von zahlreichen Stiftungen, wie beispielsweise der MacArthur Foundation.
“Wir befürworten einen vollumfänglichen Ansatz bei unserer Unterstützung von Klimalösungen”, erläutert ihr Direktor Jorgen Thomsen. “Dazu gehören der rasche Ausbau erneuerbarer Energien und die Begrenzung von Treibhausgasemissionen.” Dramatisch anmutende Meeresspiegelprognosen kommen da gerade recht. Axel Bojanowski
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